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       Fachsymposium ZINEG

    Nach über 5 Jahren intensiver Forschungsarbeit nähert sich das Verbundprojekt ZINEG seinem erfolgreichen Ende. Mit der Technologie der an vier Standorten mit unterschiedlichen Forschungsansätzen untersuchten Gewächshäuser kann im Vergleich zum Standardgewächshaus (Einfachglas mit einem Energieschirm) bis zu 70 % der Heizenergie eingespart werden. Dies ist aber nur möglich, wenn das Niedrigenergiegewächshaus als „neues System“ betrachtet und verstanden wird. Die Verfahrensweisen und Regelstrategien dürfen nicht von den herkömmlichen Gewächshäusern übernommen werden, sondern müssen angepasst werden, damit diese hohen Einsparungen auch realisierbar sind.

    Am ersten Veranstaltungstag stand die Besichtigung der Versuchsgewächshausanlage in Berlin-Dahlem im Vordergrund. Hier wird die Produktion von Tomaten in einem Solarkollektorgewächshaus untersucht. Hierbei dient das gesamte Gewächshaus als Solarkollektor. Die durch die möglichst geschlossene Betriebsweise anfallende Überschusswärme wird über Rippenrohre mit einer Wärmepumpe dem Gewächshaus entzogen und für die Verwendung in der Nacht oder an den folgenden Tagen in einem Niedertemperaturspeicher gespeichert. Die Versuchsansteller erläuterten die Anlage, mit der im Vergleich zu dem Referenzgewächshaus ein Mehrertrag von bis zu 30 % erzielt werden kann. Um die hohen Kosten der hier verwendeten Technologie amortisieren zu können, wird ein System vorgeschlagen, welches aus 1/3 Solarkollektorfläche und 2/3 herkömmlichem Gewächshaus besteht. Die im Solarkollektorteil gewonnene Energie wird dann über die Gesamtanlage verteilt. Mit diesem System besteht die Möglichkeit die Gewächshausanlage im Zeitraum April bis Oktober ausschliesslich mit Solarenergie zu betreiben.

    Am 2. Veranstaltungstag folgten nach den Grussworten der Förderer die Darstellungen der Ergebnisse aller vier Teilprojekte unter dem Motto „ZINEG geht in die Praxis“:

    Niedrigenergiegewächshäuser für die Topfpflanzenproduktion:

    Die Untersuchungen an den Standorten Hannover (Isolierverglasung und drei  Energieschirme) und Osnabrück (Wärmeschutzverglasung) zeigten, dass der Einsatz von stärkeren Isolierungen das Lichtangebot für die Zierpflanzen verringert. Dieses verminderte Lichtangebot wirkt sich allerdings nicht auf den monetären Ertrag der Topfpflanzenkulturen aus. Sodass die deutlichen Energieeinsparungen keine Ertragseinbussen ausgleichen müssen. Die Kultur von Zierpflanzen in Niedrigenergiegewächshäusern kann für Kulturen mit mittleren bis hohen Temperaturansprüchen uneingeschränkt empfohlen werden. Bei einigen Kulturen ist es möglich diese Aufgrund der guten Wärmedämmung fast ohne zusätzlichen Einsatz von Heizenergie ausschliesslich mit der am Tage im Gewächshaus eingefangenen Solarenergie zu kultivieren, mit einer Einsparung bis 90%.

    Tomatenanbau nach Bioland-Richtlinien im hochisolierten Folien-Gewächshaus

    Am Standort Schifferstadt erfolgt die Produktion von Gemüse in einem hochmodernen Folienhaus (Doppelfolie mit verschiedenen Energieschirmsystemen). Als optimales System für die Produktionspraxis kann ein Haus mit F-Clean-Doppelfolie einem Tagesenergieschirm sowie einem herkömmlichen Energieschirm empfohlen werden. Die Verwendung der F-Clean Folie ermöglicht ein sehr gutes Lichtangebot für die Pflanzen, welches zu den besten Erträgen von drei im Versuch getesteten Folienhausvarianten geführt hat. Durch die Nutzung von Speichermassen im Gewächshaus wie dem Boden oder den Pflanzen, die tagsüber durch die Solarenergie aufgeladen werden, kann die Heizleistung deutlich reduziert werden. Durch Energieeinsparungen von bis zu 80% ist es möglich, die Mehrkosten der Wärmedämmung in kurzer Zeit zu amortisieren. Mittels der an diesem Standort entwickelten Prozessdokumentation ist es möglich den gesamten Resourcenverbrauch automatisch dem Produkt (z.B. je kg Tomaten) zuzuordnen.

    ZINEG aus Sicht der gärtnerischen Praxis

    Abgerundet wurde die Veranstaltung mit dem Blick des produzierenden Gärtners auf ZINEG. Als problematisch für die Entfeuchtung in grossen Produktionseinheiten wird die im Verhältnis zum Volumen gegenüber den Forschungsgewächshäusern geringeren Kondensierungsflächen gesehen. Da die Übertragbarkeit auf andere Kulturen nicht sicher ist, sollten hier weitere Untersuchungen erfolgen. Da die notwendige Anpassung an veränderte Klimabedingungen und die Ansätze für dynamische Regelstrategien nicht so einfach vom Gärtner übernommen werden können, ist hier eine Begleitung bei der Praxiseinführung durch Beratung und Wissenschaft notwendig. Der hohe Finanzbedarf bei Neubauten ist z.Zt. im Gartenbau ohne Förderungen nur schwierig zu leisten.

    Die sehr guten Ergebnisse zeigen, dass ZINEG die Lösungen erarbeitet und zumeist positiv evaluiert hat, die in der Projektzielsetzung angestrebt wurden. Jetzt ist die Politik gefragt. Um diese hohen Ernergieeinsparungen und damit eine deutliche Verbesserung der CO2-Bilanz im deutschen Gartenbau umzusetzen, ist es unabdingbar das erfolgreiche Energieeffizienzprogramm wieder aufzulegen und mit der Zielrichtung zu versehen die ZINEG-Technologie zu verwenden. So können nicht nur die Klimaziele erreicht werden sondern auch ein deutlicher Beitrag zur Sicherung des deutschen Gartenbaues geleistet werden.

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  1. ZINEG news:     ZINEG-Folgeprojekt beginnt: Humboldt-Universität zu Berlin, Leibniz-Institut in Großbeeren und Fraunhofer-Institut in Kassel arbeiten gemeinsam an einer Lösung für den Gartenbau in der Energiewende...mehr Informationen
  2. ______________

    ZINEG hat den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2014 gewonnen...

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